2012

Häuser des Jahres

Das Buch “Häuser des Jahres” präsentiert die besten Einreichungen des Awards „Häuser des Jahres – Die besten Einfamilienhäuser 2012“, den der Callwey Verlag zusammen mit dem Deutschen Architekturmuseum zum Zweiten Mal auslobte.

Das Buch stellt 50 sehr unterschiedliche Projekte aus dem Wettbewerb vor, die durch eine besonders hohe architektonische Qualität überzeugen. Kriterien wie Nachhaltigkeit, ein innovativer Einsatz von Materialien sowie ein kreativer Umgang mit der baulichen Situation spielten neben der konsequenten Ausführung eine wichtige Rolle bei der Auswahl. Außerdem legte die Jury großen Wert auf einen möglichst behutsamen Eingriff in den städtebaulichen Kontext.

Namhafte Juroren wählten aus den Einreichungen die besten Projekte sowie den Preisträger aus. Alle Häuser sind ausführlich bebildert, mit Lage- und Architektenplänen und aussagekräftigen Projektbeschreibungen versehen.

Preis: 59,95 €

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Titel: Häuser des Jahres – Die besten Einfamilienhäuser 2012
Autoren: Wolfgang Pehnt / Wolfgang Bachmann
Ausstattung: Gebunden mit Schutzumschlag
Erscheinungsdatum: 05.10.2012
Größe: 23 x 30 cm
ISBN-Nummer: 978-3-7667-1973-7

 

Die Preisträger

1.Preis: Daniele Marques, Luzern

Drei Einfamilienhäuser in Luzern

Die Lage am Vierwaldstätter See ist beneidenswert, mit dem Blick auf See, Ort und Hochgebirge, mit Wald, Wiesen und Weinacker in nächster Nähe. Sogar die Hangneigung stimmt, Norden liegt im Rücken. Statt diese fabelhafte Parzelle mit einem einzigen luxuriösen Anwesen zu überbauen, entschieden sich Bauherr und Architekten, die Vorzüge der Lage mehreren Parteien zukommen zu lassen. Drei zeilenförmig organisierte Häuser plus eine untere Wagenhalle wurden übereinander gestapelt. Zwei haben eine großzügige Gartenfläche mit einem langen

Wasserbecken auf dem Dach des jeweils unteren Hauses. Schmale Kaminschlote sind hoch geführt, um die Abgase besser zu verteilen, aber auch, um jede Wohneinheit zu akzentuieren. Für den Blick von außen wirken die weißen Scheiben wie Anspielungen auf die Hochhäuser, die weit hinten über das Seeufer ragen. Eine Außenstiege, die zu den oberen Häusern führt – denn zu Fuß muss man die Höhe erklimmen –, wird von Seitenmauern begleitet, die den Einblick in die Dachgärten verhindern.

Die Jury entschied sich für die Vergabe des ersten Preises nicht zuletzt, weil hier das Ur-Schweizer Thema des Terrassenhauses intelligent variiert wurde. Trotz kompakter Dichte bietet die Anlage ein denkbar hohes Maß an Wohnkomfort und Eleganz.

Wolfgang Pehnt

Sonderpreis

2b architectes, Lausanne

Urbane Villa in Lausanne

Die „Urbane Villa“ steht an der Spitze des Parks Campagne de Beaumont in Lausanne, einem Landsitz aus dem Jahr 1850. Vier große Wohneinheiten sind in einem kompakten, kristallinen Volumen vereint. Typologisch gesehen handelt es sich also eigentlich nicht um ein Einfamilienhaus.

Doch eine überaus raffinierte räumliche Verflechtung verleiht jeder Einzelnen der vier Einheiten – oder sollte man besser sagen: jedem einzelnen Haus – Eigenschaften, die man sich für ein frei stehendes Einfamilienhaus wünscht: Individuell gestaltete Wohnräume, faszinierende Raumsequenzen, die über alle Geschosse verlaufen, Ausblicke in alle Himmelsrichtungen, ein eigener Garten, eine eigene Garage und eine charaktervolle Erscheinung. All dies vereinigt die „Urbane Villa“ auf engstem Raum.

Die Jury erkannte darin einen innovativen Beitrag zur Frage der innerstädtischen Verdichtung und honoriert die Fähigkeiten der Architekten, auf diese für unsere Städte so wichtigen Fragestellung eine überzeugende, zeitgenössische Antwort gegeben zu haben.

Max Dudler

 

Auszeichnung

Katrin und Otto Brugger, Bartholomäberg

Sanierung eines Bauernhauses in Bartholomäberg

Ein wunderbares, 250 Jahre altes Holzhaus wie aus dem Kinderbuch, am Steilhang stehend, unten Stein, oben Fichtenholz, zweigeschossig, mit flachem Giebeldach und großem Dachüberstand, überdachtem Eingang mit Sitzbank, darüber ein Balkon und zusätzlich eine kleine Terrasse mit Ausblick. Das Ganze auf nur etwa 8 x 8 Metern für den Baukörper. Was will man mehr? Der Bauherr und Architekt Otto Brugger ist hier aufgewachsen und hat mit einem schonenden Umbau den Komfort des alten Hauses auf zeitgemäße Weise erhöht, aber trotzdem die Authentizität seines Bauschatzes nicht zerstört, Weißtanne über Holzfaserdämmung für den Innenausbau genommen, neue Holzkastenfenster eingesetzt und die Originalbauteile mit dunkler Patina erhalten.

Oben ist Platz für die Eltern und zwei Kinderzimmer sowie Bad mit Wanne, unten liegt neben Küche, Arbeitsraum und Esszimmer eine Stube mit zentralem Holzofen, der das ganze Haus über eine Fußbodenheizung erwärmt.

Herausgekommen ist ein Meisterwerk zeitgenössischen Weiterbauens, das an Gion Caminadas wegweisende Eingriffe erinnert und eine pflegliche und liebevolle Haltung offenbart, die im ländlichen Raum längst nicht mehr selbstverständlich ist.

Peter Cachola Schmal

 

Auszeichnung

L3P Architekten, Regensberg

Zwei Minergiehäuser in Oberweningen

Paso doble. Das im Zürcher Unterland realisierte Projekt der Architekten L3P übernimmt vom berühmten Tanz, das progressive sich auf der Fläche Bewegen, die sehr dichte Nähe und das zeitgleiche Auseinanderdriften. Es setzt sich thematisch mit dem Doppelhaus und dem Einfamilienhaus auseinander und dies auf eine interessante Art und Weise.

Für die Jury waren vor allem das Nachdenken über Wohnformen im Einfamilienhausbereich und die raffinierten Grundrisslösungen von Bedeutung. Sowohl in der Organisation der Wohnungen als auch in der Außenraumgestaltung vermag der Entwurf zu überzeugen. Die Zusammenarbeit zwischen den Architekten und einem Künstler, und dies insbesondere im Zusammenhang mit dem Wohnungsbau, wird als sehr gelungen empfunden.

Armando Ruinelli

 

Auszeichnung

Denzer & Poensgen, Nettersheim-Marmagen

Erweiterung eines Wohnhauses in Wuppertal

Ein altes Haus nicht einfach abzureißen, sondern durch geschickte Ergänzung zu erhalten, sogar aufzuwerten und mit dem Anbau in einen Dialog treten zu lassen, findet von vornherein die Zustimmung der Jury. Hier war der schwierige Übergang zu einem bereits einmal erweiterten Altbau herzustellen, dessen Anschluss an ein nach früherem

Anbau abgeschlepptes Dach nicht trivial war. Die Fortsetzung macht jedoch keine Kompromisse und steht respektierend in der Breite des straßenwärtigen Altbaus in zweiter Reihe. Als Baumaterial diente das gleiche Material, sodass sich die „Spur der Steine“ über 100 Jahre fortsetzt. Die rau gebrochenen Bossen bilden einen interessanten Kontrast zu den scharfkantigen Kuben der Erweiterung.

Der neue Mittelpunkt ist eine Wohnküche, die beide Hausteile kommunikativ verbindet. Selbst ein Maßstab sprengendes Hallenbad ließ sich unterirdisch integrieren. Es wird über einen eingegrabenen Hof belichtet. Hier sieht man den Stein ringsum – was Wunder, wenn die Bauherrschaft über einen eigenen Bruch verfügt.

Thomas Kaczmarek

 

Auszeichnung

e2a eckert eckert architekten

Privathaus am Zürichsee

Das Haus hat eine eindeutige Orientierung: zum See, wohin sonst. Zur Straßenseite mag es sich hermetisch, ja abweisend geben. Doch hier rauscht nicht nur der Verkehr, man muss auch akzeptieren, dass vermögende Bauherren ihren Wohlstand nicht schon im Vorgarten einsehbar ausbreiten wollen.

Wir akzeptieren also, dass hier keine repräsentative Herrschaftsfassade empfängt, sondern eine auf den ersten Blick schmucklose, bei genauerem Hinsehen aber höchst präzise Betonskulptur lagert, die mit sinnvollen Funktionen ausgestattet ist. Zum Seeufer ist die Fassade vollständig aufgeglast, man wohnt praktisch in seiner eigenen Gartenlandschaft.

Das Prinzip Einfamilienhaus wird erweitert durch eine abtrennbare Wohnung im zweiten Obergeschoss, was ein zweiter Treppenlauf ermöglicht.

Damit lässt sich sowohl mit erwachsenen Kindern, Au-pair, Patchwork-Familie, Pflegepersonal oder Arbeitsräumen ein Haushalt neu definieren, man kann eine Wohnung auch vollständig abtrennen, wenn man sein Habitat verkleinern will – wer wann auch immer diese Entscheidung treffen mag.

Die Grundrisse sind vielfältig zu bespielen, die neutrale Anmutung der Räume gestattet jedwede Interpretation. Auf die zauberhafte, wertvolle Lage am Seeufer wurde mit einer langlebigen Architektur reagiert, als nachhaltig zählt nicht nur der Minergie-Standard.

Wolfgang Bachmann

 

Die Jurysitzung 2012

Alles neu, alles anders: Häuser des Jahres 2012

Bericht von der Jurysitzung am 10. Februar 2012

Wenn ein Architekturpreis zum zweiten Mal vergeben wird, könnte man davon ausgehen, dass bis auf die glücklichen Gewinner alles ähnlich sein wird. Aber – surprise! – dem war überhaupt nicht so. Zunächst gab es beim Wettbewerb „Häuser des Jahres 2012“ mit 223 Einreichungen wesentlich mehr Teilnehmer als zuvor. (Und die Architekten machten es spannend, indem sie das Abgabedatum noch großzügiger ausgelegt haben!)

Die Jury bei der Arbeit, 2
Die Jury bei der Arbeit, 1

Unter den Beiträgen waren dieses Mal weniger außergewöhnliche Häuser, die die Jury zu irritieren vermochten. Dafür ein breites Mittelfeld sehr ähnlicher Arbeiten, sagen wir: Die weiße Villa mit Flachdach hat sich unter wohlhabenden Bauherren als Nonplusultra durchgesetzt. Das mag man als Erfolg betrachten, aber bei genauerem Hinsehen offenbarte sich doch, dass es immense Unterschiede gibt, welche Balance geschlossene Flächen und Öffnungen eingehen, welchen Kubus sie bilden und welche Zuwendung man den Details gewidmet hat. Ein Fenster ist eben kein zufälliges Loch in der Wand, und ein Haus hört nicht einfach irgendwie am Dachrand auf. Aber die Jury ließ sich nicht von weißen Wänden blenden. Und auch nicht von holzverkleideten Kisten ermüden, von rostigem Stahl abschrecken, Betonwürfeln provozieren, traditionellen Gehäusen langweilen oder organischem Geschlinge verwirren.

Denn es stellte sich auf einmal der stille Konsens heraus, dass man es nicht dabei bewenden lassen wollte, mit ästhetischem Feingefühl das attraktivste Einzelstück auszumendeln. Das Einfamilienhaus ist nicht nur die beliebteste, von Dreivierteln der Bevölkerung ersehnte Wohnform, es ist auch ein Lebensentwurf, der die Gesellschaft durch Landverbrauch, Verkehr und Energieverschwendung beeinträchtigt. Ein paar Kollektoren auf dem Dach, eine Wärmepumpe im Keller und ringsum satte Wärmedämmung kann man als obligatorische Rehabilitation anerkennen, aber sie sind noch kein Beitrag der Architektur.

Deshalb hat die Jury die attraktive Bauaufgabe Einfamilienhaus dieses Mal nicht nur als persönliche Verwirklichung der Bauherrschaft, sondern als Beitrag (oder Eingriff) in einen städtebaulichen Kontext verstanden. Architektur ist auch eine sichtbare und unsichtbare Behauptung für alle, die ein Haus nur von außen oder von Ferne sehen.

Das mag sich etwas rätselhaft lesen. Aber die Auflösung, wenn im September im DAM in Frankfurt der Sieger und neun weitere Anerkennungen bekannt gegeben und in einer Ausstellung gezeigt werden, wird neue Qualitäten des Einfamilienhauses erkennen lassen. Und man kann die 50 besten Beispiele mit nach Hause tragen. Dann erscheint Häuser des Jahres 2012 mit einem Essay von Wolfgang Pehnt. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Die 6 Jurymitglieder für den Wettbewerb Häuser des Jahres 2012 (im Bild unten von links nach rechts):

– Dr Wolfgang Bachmann, Herausgeber Baumeister
– Max Dudler, Architekt
– Peter Cachola Schmal, Direktor des Deutschen Architektur Museums
– Thomas Kaczmarek, InformationsZentrum Beton
– Armando Ruinelli, Architekt und Sieger HdJ 2011
– Prof. Dr. Wolfgang Pehnt, Architekturkritiker

Die Jury erschöpft, aber glücklich

Alle Fotos: Rosalie von Boch

 

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